Ausgangslage: fünf Apps für ein Zuhause

PV-Anlage mit Batterie, Wallbox, E-Auto, Smart-Home-Geräte und weitere Hersteller: Jedes System hat seine eigene App, seinen eigenen Login und seine eigene Logik. Das Ergebnis:

  • Kein Gesamtbild. Wohin fließt der Sonnenstrom gerade: ins Haus, die Batterie, das Auto oder ins Netz?
  • Verschenkter Sonnenstrom. Überschuss geht für wenige Cent ins Netz, statt das Auto zu laden, weil man vergisst, die Wallbox umzuschalten.
  • Ständiges App-Hopping. Fünf Logins, keine Verbindung zwischen den Geräten.
  • Keine gemeinsame, sichere Steuerung für alle im Haushalt, auch von unterwegs.

Die Idee: sehen, entscheiden, steuern

„Ich will nicht fünf Apps bedienen, ich will, dass mein Haus mit der Sonne lebt."

  1. Sehen: Live-Energiefluss, Prognose und Statistik für Sonne, Batterie, Netz, Auto und Boiler.
  2. Entscheiden: Hinweise statt starrer Automatik. Das System schlägt vor, der Mensch entscheidet mit einem Tap.
  3. Steuern: Wallbox und Smart Home aus einer App, zuhause im WLAN oder sicher von unterwegs.

Meine Rolle als Product Owner

Ich habe Vision, Use Cases und Priorisierung verantwortet, Akzeptanzkriterien formuliert und jede Funktion im echten Haus abgenommen. Die Umsetzung entstand gemeinsam mit Claude Code: Architekturvorschläge, Code für Backend, Cloud, Android und Web, automatisierte Tests und Dokumentation, im Test-Driven-Development-Stil. Freigaben vor jeder Änderung an Geräten und Server blieben bei mir.

Produktentscheidungen und warum

  • Automatik raus, Hinweis rein. Ein „Plan für morgen" hat Entscheidungen der Nutzer überschrieben und verwirrt. Ersetzt durch einen Solar-Hinweis mit einem Tap: Der Mensch behält die Kontrolle.
  • Akku vor Features. Auf das Feedback „Handy-Akku leert sich" folgte: Hintergrund-Timer entfernt, Animation begrenzt. Im Hintergrund macht die App nichts.
  • Opt-in statt Spam. Push-Benachrichtigungen schaltet jede Person selbst ein, höchstens einmal am Tag.
  • Sicherheit vs. Komfort. Licht und Steckdosen ohne Fingerabdruck, Wallbox und Auto nur signiert.
  • Weniger ist mehr. Leere Karten ausgeblendet, Ladeziel in Prozent statt in kWh. Jedes Detail kommt aus echter Nutzung.

Architektur: das Haus öffnet keinen einzigen Port

Ein Agent läuft zuhause und baut die Verbindung selbst nach außen auf. Die Firewall bleibt zu. Die Cloud bietet REST-API, Live-Stream und Anmeldung mit freigegebenen Google-Konten. Wallbox-Befehle sind kryptografisch signiert (Fingerabdruck auf Android, Passkey im Browser). Das Haus hat das letzte Wort: Whitelist erlaubter Aktionen, Limits und Trockenlauf-Modus, sodass auch eine kompromittierte Cloud wenig anrichten kann.

Nachgewiesen, nicht nur behauptet: SSL-Labs-Bewertung A+, von außen nur die Ports 80 und 443 offen, automatisierte Sicherheitstests bei jeder Änderung.

Was schiefging, und was ich gelernt habe

  • Server gesperrt. Eine TLS-Härtung hat alle Verschlüsselungen deaktiviert. Über den Recovery-Modus des Hosters in 30 Minuten repariert. Learning: Änderungen an Produktion nur mit Trockenlauf, vorherigen Prüfungen und gemeinsamem Review.
  • Rollläden stumm. Die Hersteller-Doku sagte „open/close", das Gerät wollte „on/off". Learning: Annahmen am echten Gerät validieren, nicht in der Doku.
  • Akku leer. Ein Timer lief im Hintergrund weiter. Learning: Nicht-funktionale Anforderungen gehören in jede Abnahme.

Nächster Schritt: KI-gestützte Energieplanung

Vom Reagieren zum Planen: Auf Basis von Wetterprognose, Verbrauchshistorie, Tarifen und Terminen soll das System Tage, Saisons und ein ganzes Jahr vorausplanen. Gelernt aus Version 1: Der Plan ist ein Vorschlag, den der Mensch freigibt, nicht über seinen Kopf hinweg.

Zielgruppe der Weiterentwicklung: Haushalte, Unternehmen und Produktionsbetriebe.